4.0601 Äußerungseinheiten (ÄEen)

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Linear, vom Anfang des Textes bis zu seinem Ende, geht man die Reihe von Wörtern durch und sucht nach begründbaren Einschnitten des Redeflusses. Die Frage ist: wo setzt der Autor mit einer Äußerung neu ein, wo kam die vorige offenbar zu einem Ende? Bitte drei Aspekte zur Kenntnis nehmen:

  1. Es liegen Äußerungen in irgendeinem 'Kanal' vor - schriftlich, mündlich, gestisch usw. - jedenfalls mit Sinnen wahrnehmbar. Wäre es nicht so, hätten wir sprachbeschreibend nichts zu tun. Mit diesem Aspekt beschäftigt sich die (Ausdrucks-)SYNTAX, vgl. 4.0 (Ausdrucks-) SYNTAX, konsequente Abstrahierung vom Bedeutungswissen
  2. Der aktuelle Punkt liegt so etwa in der Mitte der SEMANTIK. Damit ist unterstellt: um diese ÄEen zu erkennen, abzugrenzen, braucht man auf jeden Fall auch Bedeutungswissen.
  3. Die Notwendigkeit, von unterscheidbaren ÄEen zu reden, ergibt sich nur, wenn auch so etwas wie Kontext vorliegt. Also wird in einer mehr intuitiven Form auch bereits PRAGMATIK einfließen. (Immerhin bringt jede/r schon reichlich Erfahrungen mit kommunikativem Verhalten mit. Das soll jetzt genutzt werden.)


Falls Sie sich für das Thema interessieren, klicken Sie bitte hier: Darin werden - leicht frivol - die "10 Gebote" für Äußerungseinheiten genannt, auf die nachfolgend via Bezifferung - in () - Bezug genommen wird.


Praxis - Bitte Ihren Eintrag!

0. Theorie

0.1 Konjunktion | Satzadverb | Interjektion

Vermutlich in vielen Sprachen gilt: Nicht alles, was nach der üblichen Wortart Konjunktion aussieht, ist im aktuellen Fall auch eine Konjunktion. Wäre sie es, dann würde die Konjunktion problemlos einen Nebensatz einleiten. Fertig ist die Abtrennung der Äußerungseinheit. Die Korrektheit kann man dann nicht nur an der Wortform=Konjunktion ablesen, sondern auch an beteiligten Satzzeichen und - zumindest im Deutschen - an der Stellung des Verbs (Endstellung). Mehrere Indizien bestärken also die Entscheidung zur Abtrennung.

Man nehme dagegen folgendes (erfundenes, aber einem realen Journalistensatz nachempfundenes) Zitat:

"Der FC Dingsbums muss bis Weihnachten die Tabellenspitze verteidigen,
weil ansonsten wird es eng im neuen Jahr".

Auch hier wird die logische Konjunktion verwendet, aber man hört förmlich die gedankliche Pause mit, die danach gilt. Man könnte sich den Satz auch so geschrieben vorstellen:

"Der FC Dingsbums muss bis Weihnachten die Tabellenspitze verteidigen,
weil - ansonsten wird es eng im neuen Jahr".

Ob mit Gedankenstrich oder ohne: "weil" leitet nicht direkt einen begründenden Nebensatz ein, sondern gibt zunächst das die Rede gliedernde Signal: "Vorsicht, in Kürze ist eine Aussage zu erwarten, die begründenden Charakter hat!" Nach kurzem Innehalten folgt dann auch die Aussage. Aber nicht als untergeordneter Nebensatz, sondern als eigenständige Aussage. Die logische Konjunktion nimmt in solchen Fällen die Eigenschaft einer Interjektion an, bildet somit eine eigene Äußerungseinheit:

1     "Der FC Dingsbums muss bis Weihnachten die Tabellenspitze verteidigen, 
2     weil 
3     ansonsten wird es eng im neuen Jahr".

0.11 Konjunktion | Satzadverb | Interjektion

Bisweilen werden einem in Grammatiken Listen angeboten - in der Einzelsprache xy begegnen als "Konjunktionen" [...], als "Satzadverbien" [...], als "Interjektionen" [...]. - Derartiges mag nützlich sein. Im vorigen Punkt sahen wir, dass z.B. "weil" mehreren dieser Kategorien angehören kann. Solche Listen also nicht als 'Rezept' und 'eindeutig' interpretieren! Weiteres Beispiel:

aus W. Herrndorf, tschick. 2014, Hamburg, 36. Aufl. S. 213:

"[...] Und ich kann das beurteilen. Im Gegensatz zu dir. Weil,
soll ich dir auch noch ein Geheimnis verraten?", fragte Tschick [...]

0.2 Programm zum Unterteilen von Texten

Das Programm, erstellt von E. Adra, erlaubt es, Texte in vielen Sprachen in Äusserungseinheiten zu unterteilen. Aber: zunächst müssen die einzelnen Kategorien für die jeweilige Sprache eingetragen werden. Und wenn man da etwas vergisst (z.B. bei Konjunktionen), sind auch die Analyseergebnisse nicht allzu gut, nachbessern ist angesagt.

Aber das macht ja nichts. Das Programm dient auch dazu, die Kriterien der Unterteilung sich bewusst zu machen, die Sprachstruktur zu erkennen - und letztlich auch einen schön segmentierten Text zu erhalten.

Voraussetzung: Man stellt einen Text im .txt-Format auf seiner Festplatte zur Verfügung. Von dort wird er durch das folgende Programm hochgeladen. Nach der Verarbeitung kann er wieder auf der eigenen Festplatte gespeichert werden.

A + O ist, dass die Kriterien zur Segmentierung - vgl. PDF-Text - für die jeweilige Einzelsprache möglichst gut benannt werden.

Wo eine Segmentierung nicht automatisch erfolgte, kann man sie anschließend von Hand eintragen. Wo zu stark unterteilt worden war, können getrennte Teile wieder zusammengezogen werden. Anschließend neu segmentieren! Hinterher evt. alte = überschießende Zählungen löschen.

Vgl. [1]

Zum Kennenlernen bietet sich an:

  • der hochgeladene Text sollte nur dort "neue Zeilen" enthalten, wo sie wegen eines neuen Absatzes auch erwünscht sind. Innerhalb eines Absatzes den Zeilenumbruch dem jeweiligen Schreibprogramm überlassen!
  • zunächst nur 1 Kriterium eintragen, z.B. ".", dann segmentieren lassen. Das Ergebnis wird noch zu grob sein. "Rückgängig" anklicken. Dann ist man wieder beim Ausgangstext. Segmentierungskriterien in kleinen Schritten verfeinern. Zwischen Satzzeichen, die man vorgibt oder Konjunktionen immer ein Leerzeichen lassen.
  • So ständig wechseln zwischen Segmentierungsergebnis und "Rückgängig" (mit Verfeinerung der Kriterien), bis man ein Ergebnis hat, bei dem sich auf automatischem Weg keine Verbesserung mehr erzielen lässt. Den Rest mit Handkontrolle erledigen.

0.3 Listen

Auch wenn sich manche zunächst sträuben: Auch Listen sind Texte. Zwar nicht sehr unterhaltsam, aber nützlich, um die Übersicht über Inventare von Objekten zu behalten. Der Texttyp "Liste" beweist, dass kommunikativ sinnvolle Einträge möglich sind, ohne dass man immer Sätze bildet. Auf diesen 'Luxus' verzichten Listen - gewinnen dadurch aber andere Vorteile:

  1. Das Objektinventar wird übersichtlich und komprimiert geboten. Komplette Sätze wären ausgesprochen hinderlich dafür.
  2. Der Lesevorgang kann sehr schnell vollzogen werden.
  3. Listen sind besonders geeignet, computertechnisch weiterverarbeitet zu werden (Berechnungen, Grafiken).

Also ist hiermit nachgewiesen, dass es sogar einen eigenen Texttyp gibt, der davon lebt, nichtsatzhafte Einzelinformationen zu verwenden.

0.4 Themasetzung - dann erst Satz

S. Lenz, Deutschstunde. München 1973, 45. Aufl. S. 20:

Und das Licht, auf das Licht über der winterlichen Elbe ist kein Verlaß. 

0.5 Nicht fixiert sein auf "Sätze"

S. Lenz, Deutschstunde. München 1973, 45. Aufl. S. 82:

Und nun bist du bei uns in Bleekenwarf, Teo. Wir vergessen nicht,
was du für uns. In Köln, aber auch in Luzern und Amsterdam.
Denkend an die gemeinsamen Kämpfe gegen den großen Schalberg.
Deshalb möchten wir dir heute an deinem sechzigsten. Mich in
diesem Kreis umblickend, kann ich nur allgemeines Einverständnis.
Ja, Teo.
(437) ... strampelte er den Deich hinab und ließ sich
bereitwillig von jedem anhalten, um mit immer gleichen Worten,
immer gleichen abwertenden Handbewegungen, die Zeit seiner
Abwesenheit zu bezeichnen: In Neuengamme, ja; halb so schlimm; 
über das Essen lässt sich nix; die Behandlung im großen und
ganzen war; von Übergriffen lässt sich nix, und so weiter.

Gute Übungs- und Diskussionstexte.

0.5.1 Weitere Übungstexte

... aus Martin Walser, Tod eines Kritikers. Frankfurt/M 2002. vgl. [2], darin S. 11. 19. 138f


0.6 GRAMMIS: Diktum

Vgl. [3] Wer auf Anhieb versteht, was ein "Diktum" ist, sei gepriesen - gelahrte Germanisten verstiegen sich in definitorische Umständlichkeit. "Diktum" wird dutzendfach durch Abstrakta - Vorliebe für "Form", "Struktur" usw. - umschrieben. Aber immerhin wird die Fixierung auf "Sätze" vermieden. Ein Fluch wie "Himmelherrgottsakrament" u.ä. gilt als "Diktum", ist verstehbar, - auch ohne "Satz" zu sein. Bei uns: = "Äußerungseinheit", u.z. nicht.satzhaft = aphrastisch. Der Gedanke, dass nicht nur das Zueinander einzelner Bedeutungen zu beachten ist, sondern zusätzlich die Sprechsituation, ist richtig = Einbeziehung der Sichtweise der PRAGMATIK, somit den Rahmen einer bloßen Satz-SEMANTIK überschreitend.

Nebenbei: das Sich-Abquälen mit dem Stichwort "Ausdruck" muss
durchführen, wer zuvor nicht eine explizite Ausdrucks-SYNTAX
vorgesehen hatte. Wir praktizieren das und wissen, dass es nun
allein um die Beschreibung von Bedeutungskomponenten geht.
Das entkrampft und entschlackt neu einzuführende Definitionen.

1. Einzelsprache: Türkisch

1.1 Übernahme der Kriterien

Erläuterung

Auch im Türkischen können die "10 Gebote für Äußerungseinheiten" (vgl. pdf-Text) benutzt werden. Das Kriterium, das für die Abtrennung entscheidend war, ist in Klammern angegeben:

Beispiel: Türkisch

  1. Roman Peyker ve Nihat Beyin evlenmesiyle başlar.(2)
  2. Peyker ve Bihter’in annesi Firdevs Hanım duldur (4)
  3. ve Adnan Beye gizliden ilgi duymaktadır.
  4. „Melih Bey takimi“ derler onlara. (2)
  5. Ancak Adnan Bey Bihter’den çok hoşlanmaktadır. (2)
  6. Onunla evlenir. (2)
  7. Bir gün toplanıp (1)
  8. pikniğe giderler (1)
  9. bütün aile oradadır.
  10. Adnan Beyin yeğeni Behlûl Peyker’e dayanamaz (1)/(4)
  11. ve onu dudaklarindan ateşli bir şekilde öper.
  12. Peyker buna çok kızar (4)
  13. çünkü kocasına çok bağlı birisidir.

Sklavisch wörtliche Übersetzung

  1. Der Roman Peyker und Herr Nihat heiraten anfängt.
  2. Peyker und Bihters Mutter Frau Firdevs ist Witwe
  3. und schwärmt insgeheim für Herr Adnan.
  4. „Herr Melih Mannschaft“ sagt man zu ihnen.
  5. Aber Herr Adnan für Bihter interessiert sich sehr.
  6. Er heiratet sie.
  7. Eines Tages sie treffen
  8. und Picknick gehen
  9. ganze Familie ist da.
  10. Herr Adnans Neffe Behlül schwärmt für Peyker
  11. und küsst sie auf ihre Lippen feurig.
  12. Peyker regt sich darüber sehr auf
  13. weil sie ihren Ehemann sehr liebt.

2. Einzelsprache: Deutsch

2.1 Helge Schneider in Äußerungseinheiten

Beispiel: Deutsch

  1. Dem Kommissar Schneider schmeckte das Essen gut,(3)
  2. das er zusammen mit seiner Frau in dem bekannten Lokal einnahm. (2)
  3. Der Koch hatte es sogar empfohlen. (2)
  4. Es hieß "Gutes, leckeres Geesse", (3)
  5. eine japanische Speise mit Morcheln und Bambus, (3)
  6. dazu gab es heiteren Familiensüß-Pudding in zweifacher Ausführung, zubereitet von Könnerhand. (2)
  7. Die Frau Kommissar stand auf einmal auf. (2)
  8. "Ich muss aufs Klo,(9)
  9. Schatz." (2)
  10. Sie ging weg (1)
  11. und ließ den Kommissar allein an seinen Lukullitäten zurück. (2)
  12. Der genehmigte sich ein ordentliches Stück Esskultur zwischen die Zähne. (2)
  13. Vergnügt labberte er an einem Stückchen Hühnerbein mit herabhängender Augenbraue. (2)
  14. Er wollte seine Frau, (4)
  15. wenn sie wiederkommt, (4)
  16. mit einer Grimasse überraschen, (4)
  17. die er sich in einem Büro ausgedacht hatte.

(Text aus Helge Schneider´s "Das scharlachrote Kampfhuhn" 1995)

Übung

Unterteilen Sie den folgenden Text in Äußerungseinheiten und nennen Sie jeweils die zugehörigen Gebote.

Die einsame Frau war mein altes Kindermädchen, Nancy Connell. Und dies waren die Worte, die zwischen Dir und Deinem Bruder gewechselt wurden, so wie sie sie gehört hatte, als Ihr langsam an ihr vorbeirittet. Dein Bruder sagte: "Ist es wahr, dass Mary Brading und ihr Ehemann nach Amerika gegangen sind?" Du hast gelacht, als würde Dich diese Frage amüsieren und geantwortet: "Völlig wahr." "Wie lange werden sie weg sein?" fragte Dein Bruder als nächstes. "So lange sie leben", antwortetest Du mit einem weiteren Lachen. Zu diesem Zeitpunkt wart Ihr ausserhalb Nancy Connells Hörweite geritten. Sie gesteht, Euren Pferden ein paar Schritte gefolgt zu sein, um zu hören, was als nächstes gesagt wurde. Sie schaute besonders auf Deinen Bruder. Er schien Deine Antwort sehr ernst zu nehmen und schien völlig überrascht davon zu sein. "England verlassen und sich in Amerika niederlassen!" rief er aus, "Warum sollten sie das tun?"

2.2 Wolf Haas

Der Schriftsteller Wolf Haas kann einen von der Annahme heilen, wir würden uns mittels Sätzen (Haupt- oder Nebensätze) verständigen. Ein willkürlich gewählter Ausschnitt aus "Der Brenner und der liebe Gott" (2009) 28:

"Milan" ist auf seinem Brustschild gestanden, aber der junge Mann
hat dem Kunden in tadellosem Deutsch erklärt, Säulen überwacht,
Eingang überwacht, Kassa überwacht. Aber hinten, beim Luftdruckgerät,
wo der Herr Simon den BMW zwischengeparkt hat, natürlich nicht überwacht.
Obwohl ich sagen muss, das ist unverständlich, weil so ein Luftdruckgerät
ist schneller gestohlen als eine Zapfsäule. Aber so war es eben."

Die Gliederung in Äußerungseinheiten etwa wie folgt:

1  "Milan" ist auf seinem Brustschild gestanden, 
2  aber der junge Mann hat dem Kunden in tadellosem Deutsch erklärt, 
3  Säulen überwacht, 
4  Eingang überwacht, 
5  Kassa überwacht. 
6  Aber hinten, beim Luftdruckgerät, 
7  wo der Herr Simon den BMW zwischengeparkt hat, 
8  natürlich nicht überwacht.    
9  Obwohl ich sagen muss, 
10 das ist unverständlich, 
11 weil 
12 so ein Luftdruckgerät ist schneller gestohlen als eine Zapfsäule. 
13 Aber so war es eben."

Interessant ist Nr. 11: weil lässt eine Begründung erwarten. Aber der Sachverhalt von Nr.12 begründet nicht das Unverständlich-Sein von Nr.10. Unter dem Einfluss von Dialekt ist das weil eher eine Interjektion, ein Signal des Nachdenkens, ein Hinweis auf eine noch folgende Erläuterung, ein Textadverb. Kommt man zu dieser Einschätzung, dürfen Nr. 11+12 nicht zusammengezogen werden.

Beispiel für aphrastisch:

(48) schon das vierte Verhör,

Fortführung satzhaft (jeweils: statisch-temporal):

gleich nach der Verhaftung stundenlanges Verhör, in der Nacht Verhör,
am Morgen Verhör, und jetzt statt dem Mittagessen schon wieder Verhör.

Beeinflusst vom Wiener Dialekt: weil ist häufig keine kausale Konjunktion, sondern eine Interjektion: als Zeichen des Nachdenkens, Luft holens; folglich als eigene ÄE abtrennen!

(54) Pass auf, | die Natalie war die Psychologin in der Klinik, | weil | 
     Schwangerschaftsunterbrechung nie ohne psychologische Beratung. 
(54) Nur damit du verstehst. | Weil | die Natalie war damals sehr verletzt, | obwohl ...

(weil und) Parallelisierung:

(81) ... und dann lange nichts, | weil | da dürfte es sich erblich gerade so günstig 
     treffen, | halb Italiernerin, | halb Geierwally. 
(82) Mein Gott, | früher hätte er gesagt, | wegen dem Liebeshoroskop, | wegen den 
     Kontaktanzeigen, | irgendwas ...
(114) ... während er in der Wohnstube gesucht hat, | im Hasenstall gesucht hat | oben 
     in den Schlafkammern gesucht hat | in der Abstellkammer gesucht hat, | im Abort
     gesucht hat, | ist er ...

Im letzten Beispiel greift auch das Kriterium, dass keine zwei konjugierte Verben in einer ÄE vorkommen dürfen. Meist fehlt der 1.Aktant.

2.3 Übung/Härtetest

1 "Satz" des Büchnerpreisträgers 2010 Reinhard Jirgl sollte und kann in Äußerungseinheiten unterteilt werden. Aus: Hundsnächte, S.156f. Grafisch exakt dem Original nachgebildet:

"Und die Toten feiern : auf&abschwellende Stimmen, schübeweis kreischende
Erregung, die Stunde drängt, Töpfeblech scheppernd ausgekratzt Rockmusik
kehliges Rhythmenklirr als würden Schubladen voller Glasscherben in
panischer Hektik auf&zugestoßen od an Schädeln (deren Gehirne einst
kristallisiert & von Dauerhämmern zerstoßen gesplittert zu 
Granulaten zerstäubt) würde nun mit unsichtbaren Fäusten unentwegt
gerüttelt so daß die Gehirnbrösel durch den Kartoffeldampf der Studen
im heißen Speckgeruch wie Grieben verschmurgeln & süßlich mit Gelatine
Schlagermusik sich übergießen Hunde ahmen kläffend Radiostimmen das
Nachrichtengebellt & 1 Kirchturmuhr zerschlägt hell klöppelnd den 
gußeisernen Stundenfluß (das Mitzählen vergessen-:?Wie spät mag es sein) & 
durchgestrichen all-dies von Gabelzinken Kinderplärr hellen zänkischen
Fraunstimmen & dem Gegrunz ihrer Männer, wobei nach unerfindlicher
Dramaturgie deren Geschrei immerwieder neu zu immerdengleichen Attacken
& Tiraden aufflammt je nachdem woran Haß & Wut neues Fressen finden am
andern 1gesperrten neben sich, u draußen auf den Straßen 
vorüberwischend Polizeisirene od Feuerwehr, 1 Fenster schlägt zu, 1 Licht
verlöscht, andere reißen ihr helles Ge4t aus dem rasch erdunkelnden Grau,
Schattenköpfe Schattenleiber hinter dünnfädigen Gardinen, hin&her getrieben
von Wahn & Eifer in zu kurzgefaßter Stunde, während die unter Flugzeugen
immerfort herabdröhnenden, stotternden Luftlawinen Häuser Straßen Hinterhöfe
unter ihrem lauten Steinschlag verschütten, die Mäuler der am Hofgrund faul
& verstockt im aschtrüben Schimmern gähnenden Zugänge zu Kellern
verstopfend."

Thomas Mann, am Beginn seiner Josephsgeschichts-Trilogie, bietet auch einen vergleichbar langen Satz. Dort ist aber wenigstens auf die Zeichensetzung Verlass, so dass man dadurch Orientierung bekommt. Noch weitere (z.B. Wortwiederholungen) Hilfen sind eingebaut. - Derartiges fehlt hier. Daher handelt es sich um einen herausfordernden "Härtetest" für die Segmentierung. - Jedenfalls: Segmentiert werden muss! Andernfalls verbaut man sich weitere semantisch/pragmatische Analysen. - Es sind auch nicht die Eigenarten der Ortografie das Problem. Vielmehr muss man in das stilistisch nachgebildete Chaos erst dadurch Ordnung bringen, dass man fragt:

  • wo liegen - u.U. komplexe - Beschreibungen von Nomina vor, wo dagegen Sätze?
  • der Unterschied zwischen direkten Beschreibungen und mehr distanziert nachgelieferten (Explikationen) ist wichtig.
  • wo wird zu einem früher schon eingeführten Subjekt eine weitere Prädikat-Bedeutung geliefert (die dann als neue ÄE zu werten wäre)
  • wo liegen nicht-satzhafte, d.h. nicht erkennbar mit dem Kontext verknüpfte Einzeläusserungen vor?

2.4 G. Grass, Hundejahre / ÜBUNG

"Ihre Zunge hängt links heraus und zuckt. Sie hat ihre Augen auf Walter
Matern gerichtet, weil der mit den Zähnen. Das hat er von seiner Großmutter,
die neun Jahre lang fest im Stuhl und nur die Augäpfel. Jetzt ziehen sie ab:
verschieden groß auf der Deichkrone gegen die Anlegebrücke der Fähre.
Schwarz die Hündin. Einen halben Schritt voran: Amsel.
Hinterdrein: Waltern Matern. Er schleppt Amsels Klamotten. Hinter dem Bündel
richtet sich das Gras, während die drei auf dem Deich kleiner werden, langsam
wieder auf."

Lösungsvorschlag mit Erläuterungen:

1  "Ihre Zunge hängt links heraus                       Verbalsatz (VS)
2   und zuckt.                                          neues konjugiertes Verb   
3   Sie hat ihre Augen auf Walter Matern gerichtet,     VS
4   weil der mit den Zähnen.                            Konjunktion leitet
                                                        unvollständigen Nebensatz ein
5   Das hat er von seiner Großmutter,                   VS
6   die neun Jahre lang fest im Stuhl                   Nominalsatz (NS)
7   und nur die Augäpfel.                               "und" leitet nicht-satzhafte
                                                        ÄE ein   
8   Jetzt ziehen sie ab: verschieden groß auf der       VS mit Explikation zum Subjekt
    Deichkrone gegen die Anlegebrücke der Fähre. 
9   Schwarz die Hündin.                                 wieder schöner NS
10  Einen halben Schritt voran: Amsel.                  NS, ":" zur Markierung
                                                        des Subjekts 
11  Hinterdrein: Waltern Matern.                        dito  ":" hier nicht als
                                                        Abschluss der ÄE
12  Er schleppt Amsels Klamotten.                       VS
13  Hinter dem Bündel richtet sich das Gras,            VS - phrastisch, wird aber
                                                        unterbrochen 
14  während die drei auf dem Deich kleiner werden,      konjunktionaler Nebensatz:
                                                        Zeitangabe
15  langsam wieder auf."                                aphrastische Fortführung von 13

2.5 BEISPIEL: Röm 8

Vgl. [4]

2.6 ÜBUNG: Der Gelähmte von Mk 2

Vgl. [5] und Vgl. [6]

2.7 ÜBUNG: "Kleiner Mann - was nun?" H. Fallada

In folgendem Ausschnitt - 4.Auflage 2012. Berlin - geht es schön durcheinander mit Sätzen/Nicht-Sätzen, wenn Sätze: solche mit und solche ohne Verb.

(136) Schon im Wagen: "Also zweiter Hof rechts, Lehmann, Sagen Sie
gar nichts. Und Hals- und Beinbruch. Und Handkuß für die junge Frau!
Weidmannsheil!"
   Zweiter Hof rechts. Alles ist Mandel. Ach Gott, das ist ein
großes Warenhaus, noch nicht ein Zehntel so groß war je ein
Betrieb, in dem Pinneberg bis dato gearbeitet, noch nicht ein (137)
Hunderstel vielleicht." Und er schwört sich zu, zu schuften,
tüchtig zu sein, alles zu ertragen, nicht aufzumucke, o Lämmchen,
o Murkel.!
   Zweiter Hof rechts, im Parterre gleich: "Personalbüro Mandel."
Und ein anderes Riesenplakat: "Bewerbungen zur Zeit zwecklos." Und
ein drittes Schild: "Ohne Anklopfen herein." Pinneberg macht
das_ ohne Anklopfen herein.
   Eine Barriere. Dahinter fünf Schreibmaschinen. Hinter den fünf
Schreibmaschinen fünf Mädchen, jüngere, ältere. Alle fünf sehen
hoch, und alle fünf sehen sofort wieder nieder und schmettern
weiter: Keine hat gesehen, daß jemand reingekommen ist. Pinneberg
steht eine Weile und wartet. Dann sagt er zu einer in grüner Bluse,
sie sitzt ihm am nächsten: "Ach, bitte, Fräulein ..."
   "Bittä!" sagt die grüne Bluse und sieht ihn empört an, als
hätte er sie aufgefordert, mit ihm sofort, hier auf der Stelle ...
   "Ich möchte gern Herrn Lehmann sprechen."
   "Schild draußen!"
   "Wie?"
   "draußen!!"
   "Ich versteh nicht, Fräulein."
   Die grüne Bluse ist empört. "Lesen Sie's Schild draußen.
   Bewerbungen zwecklos."
   "Habe ich gelesen. Ich bin aber zu Herrn Lehmann bestellt.
   Herr Lehmann erwartet mich."

2.71 ÜBUNG: reichlich nicht-satzhafte ÄEen

Wolfgang Herrndorf, tschick. Reinbeck 2014 36.Aufl.

(37) Wolkow redet nur, während wir um den Platz joggen. Er hat eine
Wahnsinnskondition, er ist garantiert schon siebzig oder so, zuckelt
aber immer frisch vorneweg und quatscht und quatscht. Und dann sagt
er immer: "Männer!"
Und dann sagt er zehn Meter nichts und dann: "Dortmund." Zehn Meter.
"Packt es nicht." Zehn Meter. "Die Heimbilanz. Stimmmt's oder hab ich
recht?" Zwanzig Meter. "Und van Gaal, der alte Fuchs! Das wird kein
Spaziergang."
Param, param. "Eure Meinung?" Hundert Meter. Und natürlich sagt keiner
was, weil wir schon zwanzig Kilometer gelaufen sind, und nur Hans, der
Nazi, der Fußballtrottel, der schwitzend hinter dem Feld herkeucht,
brüllt manchmal: "Ha-ho-he! Hertha BSC!" 

Oder (80):

Ich stand barfuß auf der Treppe vor unserem Haus und spritzte mit dem
gelben Schlauch rum. Ich hatte das Wasser voll aufgedreht, der Strahl
schoss mindestens zwanzig Meter durch die Luft. Die entfernteren Ecken
des Vorgarten erreichte ich trotzdem nicht, obwohl ich mit allerlei 
Tricks und Rumschrauben an der Düse versuchte, noch weiter zu schießen.
Weil, ich durfte jetzt auf keine  Fall von der Treppe runter. Das war
Bedingung. Im Wohnzimmer White Stripes voll aufgedreht, Haustür offen,
und ich: Hose hochgekrempelt und barfuß, Sonnenbrille im Haar, Graf Koks
von der Gasanstalt sprengt seine Ländereien. Das konnte ich jetzt jeden
Morgen!

aus G. Grass, Mein Jahrhundert, S.175 (zu 1943):

"Ein später überall bekanntes Foto hieß: 'Mit Gewalt aus Bunkern
hervorgeholt.' Ein anderes, genauso berühmtes: 'Nach dem Umschlagplatz.'
Die kamen nämlich alle zur Verladerampe. Und dann ging's ab nach
Treblinka. Hab dieses Wort damals zum ersten Mal gehört. An die
hundertfünfzigtausend wurden ausgelagert. Aber es gibt auch Fotos ohne
Beschriftung, weil die klar für sich sprechen. Eines ist lustig, da
unterhalten sich unsere Männer mit einer Gruppe Rabbiner. Aber am
berühmtesten ist nach dem Krieg ein Foto geworden, das Frauen und
Kinder mit erhobenen Händen zeigt. Rechts und im Hintergrund einige
unserer Männer mit vorgehaltener Knarre. Und im Vordergrund ein
süßer kleiner Judenbengel mit verrutschter Schiebermütze und
Kniestrümpfen. Ihr kennt das Foto bestimmt. Ist Tausende Male
abgedruckt worden. Im In- und Ausland. Sogar als Buchumschlag.
Einen richtigen Kult treiben die damit, immer noch. Natürlich
ohne Nennung des Fotoreporters jedesmal... Keinen Pfennig hab ich
dafür... Keine müde Mark... Von wegen Urheberrecht... Nix
Honorar... Hab das mal hochgerechnet... Denn wenn ich pro Abdruck
fünfzig Märker bekommen hätte, dann wären auf meinem Konto für
dieses einzige Foto... Nein, keinen Schuß hab ich abgegeben. Dabei
immer vorneweg. Ihr kennt das ja. Nur diese Fotos... Und die
handschriftlichen Bildtitel natürlich... Ganz altmodisch in
deutscher Schrift... Ganz wichtige Dokumente, wie man heute weiß..."

3. Englisch

3.1 clause - Allerweltsbegriff

clause = Äußerungseinheit? Bei Anwendung der 10 Gebote für Äußerungseinheiten im Englischen stellt sich die Frage, ob der Begriff "Äußerungseinheit" mit engl. clause gleichgesetzt werden kann. Schlägt man clause in englischsprachigen Lexika nach, zeigt sich jedoch sehr schnell, dass in den Definitionen immer von "subject and predicate" die Rede ist. Zur Erinnerung:

Äußerungseinheit

  • Haupt- oder Nebensatz, "Informationsbrocken", Ausruf, Interjektionen, etc.
  • eigenständige Sprechhandlung
  • nicht zwingend mit Hilfe von Subjekt und Prädikat beschreibbar - es gibt eben auch nicht-satzhafte Exemplare


clause (Satzteil, Satzglied)

  • a syntactic construction containing a subject and predicate and forming part of a sentence or constituting a whole simple sentence ("clause." Dictionary.com Unabridged. Random House, Inc. 11 Feb. 2010 "clause" - Dictionary.com)
  • a group of words, consisting of a subject and a finite form of a verb (...) which might not be a sentence ("clause" - Cambridge Advanced Learner's Dictionary)
  • (1) a group of words containing a finite verb but not constituting a whole sentence either because it functions as a noun (as in "I don't know how he got there")), adjective (as in "the account that he gave was true"), or adverb (as in "he stopped when he saw the signal") in the larger sentence to which it is subordinate or because it contains or is modified by one or more clauses subordinate to it (as in "I don't know how he got there") or because it is joined to another clause of equal rank with itself (as the two clauses in "he stopped the car and they got out"), or (2) a group of words containing a non-finite verb and functioning in its sentence somewhat like a subordinate clause (as in "he saw the man leave" and in "his tire fixed, the man drove off") ("clause." Webster's Third New International Dictionary (1993); Könemann, Köln.)

--> "Nicht-Sätze" in englischen Texten lassen sich nicht durch den Begriff clause beschreiben.


Zur Ergänzung:

sentence (Satz)

  • a grammatical unit that is syntactically independent and has a subject that is expressed or, as in imperative sentences, understood and a predicate that contains at least one finite verb ("sentence." Dictionary.com Unabridged. Random House, Inc. 11 Feb. 2010. "sentence" - Dictionary.com)
  • a group of words, usually containing a verb, which expresses a thought in the form of a statement, question, instruction or exclamation and starts with a capital letter when written ("sentence" - Cambridge Advanced Learner's Dictionary)
  • a group of words, usually containing a subject and a verb, expressing a statement, question, instruction, or exclamation, and, when written, starting with a capital letter and ending with a period or other mark ("sentence" - Cambridge Dictionary of American English)

--> sentence ist clause hierarchisch übergeordnet.


phrase (Ausdruck, Wortgruppe)

  • a group of words which is part rather than the whole of a sentence ("phrase" - Cambridge Advanced Learner's Dictionary)
  • (1) a sequence of two or more words arranged in a grammatical construction and acting as a unit in a sentence, or (2) a sequence of two or more words that does not contain a finite verb and its subject or that does not consist of clause elements such as subject, verb, object, or complement, as a preposition and a noun or pronoun, an adjective and noun, or an adverb and verb ("phrase." Dictionary.com Unabridged. Random House, Inc. 11 Feb. 2010. "phrase" - Dictionary.com)
  • (1) a sequence of words intended to have meaning, (2) a characteristic way or mode of expression, or a brief, apt, and cogent expression, or (3) a word or group of words read or spoken as a unit and separated by pauses or other junctures ("phrase." The American Heritage® Dictionary of the English Language, Fourth Edition. Houghton Mifflin Company, 2004. 11 Feb. 2010. "phrase" - Dictionary.com)
  • a group of grammatically connected words within a sentence: "One council member left in a huff"; "She got much satisfaction from planting daffodil bulbs." Unlike clauses, phrases do not have both a subject and a predicate. ("phrase." The American Heritage® New Dictionary of Cultural Literacy, Third Edition. Houghton Mifflin Company, 2005. 11 Feb. 2010. "phrase" - Dictionary.com)

--> phrase kommt der Bezeichnung "Äußerungseinheit" am nächsten, jedoch wird in mehreren Quellen auf "zwei und mehr Worte" verwiesen, was bei einer Äußerungseinheit nicht der Fall sein muss.


3.2 Beispiele

1. Luz sat on the bed.

Problemlose Abtrennung: starkes Satzzeichen + konjugiertes Verb

2. It was lonely

It = Subjekt, wenn auch semantisch leer; wird verbunden mit
Hilfsverb mit 2.Inhalt: 
lonely = Grundbedingung für Prädikation

3. and rainy there,

mit "und" angeschlossen zweiter 2.Inhalt: Subjekt nicht nochmals
genannt, wirkt von der vorigen ÄE weiter. Daher im Wortsinn
nicht-satzhaft, aber doch eine neue ÄE. 

4. and there was a battalion of arditi quartered in the town. 5. She was sorry, 6. and she knew

Was wusste sie? Das fehlende Objekt des Wissens wird durch einen
ganzen Satz nachgeliefert, der als neue ÄE geführt werden muss:
eigenes neues Verb.

7. he would probably not be able to understand, 8. but might someday forgive her, 9. and be grateful to her,

Das might wirkt weiter. Neue ÄE. 

10. and she expected, absolutely unexpectedly, to be married in the spring.

Infinitiv-Erweiterungen werden nicht abgetrennt, um
dem Unterschied konjugiert vs nicht-konjugiert Rechnung zu
tragen: was in konjugierter Form eingebracht wird, trägt den Satzakzent,
ist insofern stärker als nur infinitivisch genannte Handlungen.

(Text aus Ernest Hemingway's "A very short story")

4. Einzelsprache: Spanisch

4.1 Bericht über Erdbeben

Rescatan con vida a una adolescente que llevaba 15 días bajo los escombros de una casa en Puerto Príncipe

Quince días después de terremoto que sacudió Haití y cuando ya se han dado por concluidas las labores de búsqueda de supervivientes, se siguen produciendo 'milagros' bajos los escombros de los edificios de Puerto Príncipe.

Se elevan a 170.000 los muertos El presidente de Haití, Réné Préval, ha aumentado hoy hasta 170.000 el número de muertos encontrados y enterrados, en unas declaraciones hechas durante una rueda de prensa. Según Préval, ha sido la Compañía Nacional de Equipamiento, responsable de la recogida de basuras y limpieza de las calles, la responsable de haber recogido la mayor parte de cadáveres.

(Diario Vasco, 28.01.2010)


Übersetzung:

Lebendbergung einer Jugendlichen, die 2 Wochen unter den Trümmern eines Hauses in Puerto Príncipe begraben war

Zwei Wochen nach dem Erdbeben, welches Haiti erschütterte und auch nachdem die Suche nach Überlebenden bereits für abgeschlossen erklärt worden ist, geschehen weiter „Wunder“ unter den Trümmern der Gebäude von Puerto Príncipe.

Die Zahl der Toten steigt auf 170.000 Der President von Haiti, Réné Préval, hat die Zahl der geborgenen und verschütteten Toten heute während einer Pressekonferenz in einer Erklärung auf 170.000 angehoben. Laut Préval war es die „Compañía Nacional de Equipamiento“, zuständig für die Müllentsorgung und Säuberung der Straßen, die die meisten Leichen weggeräumt hat.


1.Quince días después de terremoto (5)

2.que sacudió Haití (3)

3.y cuando ya se han dado por concluidas las labores de búsqueda de supervivientes, (1)

4.se siguen produciendo 'milagros' bajos los escombros de los edificios de Puerto Príncipe. (2)

5.Se elevan a 170.000 los muertos (1)

6.El presidente de Haití,Réné Préval,ha aumentado hoy hasta 170.000 el número de muertos

7.encontrados y enterrados, en unas declaraciones hechas durante una rueda de prensa. (2)

8.Según Préval, ha sido la Compañía Nacional de Equipamiento,responsable de la recogida de basuras

9.y limpieza de las calles,la responsable de haber recogido la mayor parte de cadáveres.(2)

4.2 Don Quichote / ÜBUNG

Kapitel 1 des Romans wird in spanischer/deutscher/englischer Fassung geboten. Dabei sind für die deutsche Version die Äusserungseinheiten schon eingetragen. Vgl. Text: [7]. Man kann somit an der spanischen und der englischen Version ebenfalls Äusserungseinheiten bestimmen - und dann vergleichen, inwiefern die Unterteilung des Textes in der verschiedenen Versionen übereinstimmt.

Bitte beachten: Wo eine waagerechte Linie vorkommt, liegt in der Druckversion ein optisch erkennbarer Absatz vor. Das allein wird zum Anlass genommen, in der Zählung vor dem Punkt hochzuschalten: 1.? => 2.? - Nach dem Punkt wird dann die Zählung neu gestartet: 1.39 => 2.1

5. Einzelsprache: Schwäbisch

5.1 Wichtig: Unterscheidbare Sprechakte!

... nicht so wichtig: ob diese in beiden Fällen durch konjugierte Verben ausgedrückt werden oder durch Interjektionen. - Vgl. H. Petershagen in SWP 1.10.2016:

"Komm, gang! Ja, was denn nun?, mag der Wortklauber
fragen. Soll ich jetzt kommen oder gangen?
   Für einen Schwaben ist das keine Frage. Er weiß dass
dieses komm! kein Befehl ist, sondern eine Inter-
jektion: ein Ausruf, der eine bestimmte Stimmung offen-
bart. In diesem Fall drückt komm! ein Genervtsein
aus: 'Tu mir den Gefallen!' In Komm, mach jetzt!,
dem Ruf zur Eile, bedeutet es 'vorwärts!'
   Ursprünglich war komm! die Aufforderung zum Be-
gleiten: Komm, lass uns da und dort hingehen! Später
hat es sich zum schieren Ruf verselbstständigt, der
neben Ungeduld je nach Tonfall auch gutes Zureden oder
Erstaunen ausdrücken kann - wofür der Bayer übrigens
gerne geh! verwendet. So entspricht ach komm!
dem bairischen a geh!
   Auch die Interjektion oha! entstammt dem
Spektrum der Bewegungen - genauer: dem Bewegungsstopp.
Mit  oha! hielten die Fuhrleute ihre Pferde an.
Inzwischen hat das Signal zum Innehalten sich von der
physischen auf die mentale Ebene verlagert. Sieht
beispielsweise ein Schwabe ein Auto auf sich zusteuern,
denkt er oha! Aber nicht, um stehenzubleiben.
Vielmehr stoppt er alle anderen Denkprozesse, um sich
voll auf die Flucht zu konzentrieren. Hier bedeutet
oha! Alarm. (...)
   Die typischste der schwäbischen Interjektionen
lautet Ha no! Damit kann der Schwabe Ungeduld,
Erstaunen, Empörung, Verlegenheit, ja sogar Sprach-
losigkeit ausdrücken, etwa, wenn er seine Frau mit
seinem Freund erwischt hat. Dagegen ersetzt ein
generöses Ha no! als Antwort auf empfangenen
Dank das langatmige 'Aber bitte, das war doch ganz
selbstverständlich!' (...)
   Unentbehrlich ist das Zustimmung heischende Gell?!
Manche Menschen beenden oder unterbrechen fast
jeden Satz damit, was bei ihren Gesprächspartnern
Mordgelüste auslöst. Es bedeutet entweder 'nicht
wahr?' oder 'du hörst mir doch hoffentlich noch
zu?'. (...)
   Abschließenden Charakter hat der Ausruf sodele!
(...) Jedenfalls drückt sodele! die Befrie-
digung am Ende einer als sinnvoll erachteten
Betätigung aus, etwa, wenn man oder frau das
Sudoku endlich gelöst hat. Angeblich soll es auch
den Vollzug der schwäbischen Fortpflanzung melden.
Aber empirisch nachgewiesen ist das nicht.