4.125 Erwartungen, Negationen

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Eine Negation kann nicht helfen, einen Sachverhalt zu beschreiben. Sehen Sie: Dieser erste Satz zu "Negation" enthält ein nicht. Demnach unterstellt er bei Lesern die Meinung, auch mit verneinten Sätzen könne man Sachverhalte beschreiben. Überprüfen Sie, ob diese Unterstellung / Erwartung bei Ihnen zutrifft! Vielleicht aber haben Sie sich diese Frage bislang noch gar nicht gestellt. Dann hätten Sie unbewusst mit Negationen operiert. Heben wir das Thema ins Bewusstsein. Man sollte eben auch positiv beschreiben, was eine Negation leistet:

Eine Negation durchkreuzt jedenfalls Annahmen, Erwartungen des Partners. Das ist ihre Funktion, nicht eine Sachverhaltsbeschreibung.

Auf die Vielfalt, wie Negationen in Texten begegnen können, sollte man aufmerksam werden. Und darauf: Addiert man Negationen (doppelte, dreifache usw.), verliert man leicht die logische Übersicht und produziert Schrott.


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0. Nachträge zur Theorie

0.1 Allgemein: JA vs. NEIN

In welcher Einzelsprache auch immer und wie darin konkret ein Sprecher ein JA zum Ausdruck bringt - er reagiert damit auf die Aussage eines Partners und teilt ihm mit: Deine Aussage entspricht meinen Erwartungen, meinem Vorwissen, freut mich daher, stößt mich nicht vor den Kopf usw. usw.

Man muss nur sehen, dass ein solches JA = Affirmation mehrschichtig sein kann - was wiederum Anlass für weitere Klärungen ist:

(1) Das JA bestätigt das, was in der Prädikation zum
Ausdruck gebracht wurde, den sachlichen Gehalt,
vgl. 4.0614 Prädikation – Akzent: Verbindung der beiden Bedeutungen
(2) Das JA kann sich aber auch auf den
Sprechakt und damit den Sprecher beziehen und 
mitteilen: Dass Du dieses sagst, wundert mich
nicht, allerdings ist und bleibt es falsch -
so könnte fortgefahren werden,  Vgl. 4.09 Sprechhandlungen / Sprechakte
(3) Das JA kann auch lediglich eine
Funktion beim Sprecherwechsel haben, schneidet
dem Partner das Wort ab und zeigt an, dass der
jetzige Sprecher (endlich) zu Wort kommen will: 
4.123 Sprecherwechsel also Funktion: AI

Entsprechend umgekehrt beim NEIN. Es ist genauso zu klären, worauf es sich bezieht: die Prädikation, den Sprechakt, den Sprecherwechsel?

0.2 Brüche in der Wahrnehmung

Unser Geist ist so konstruiert, dass er gerne Gleichartigkeiten lernt und dann unterstellt, sie würden auch weiterhin gelten. Das weiterhin nennen wir dann Erwartungen. Gleichgültig wie inhaltlich gefüllt, kann man den Mechanismus so darstellen:

X
Dahinter verberge sich irgendein sprachliches Gebilde.
Es ist bislang einmal genannt. Man nimmt es
zur Kenntnis wie alle anderen auch. -  Es geht weiter:

(X) X
Auf das erste X folgt noch eines. Es wird zusätzlich
als Wiederholung verbucht. Immerhin, aber der Befund
ist noch nicht weltbewegend.
(X  X)  X
Ein drittes Mal das gleiche X. Jetzt steigert sich die
Aufmerksamkeit. Was ist da los? Warum tritt der Sprecher
auf der Stelle? Weiß er nicht weiter oder will er dieses
Element "X" den Adressaten besonders eindrücklich
übermitteln?
So könnte es weitergehen. Im Extremfall liegt folgende
Struktur vor:
X  X  X  X  X  X  X  X  Y 
d.h. der Sprecher hat die Rezipienten durch viele "X"
daran gewöhnt, dass nur noch "X" folgen werde - wozu
auch immer.
Diese Erwartung, die immer stärker wurde, wird aber
spät durchbrochen. Obwohl das "Y" nur einmal
genannt wird, ist es durch die vorangegangene
gleichartige Reihe extrem hervorgehoben.
Was man Betonung nennt, kann also auch auf diese
subtile Weise verwirklicht werden. Kontrastprinzip nannte 
diesen Mechanismus M. Riffaterre. 

0.3 Adenauer + Chruschtschow 1956: Streit

Streit entsteht nun mal, wenn Erwartungen nicht zusammenpassen.

aus: G.Ruge, Unterwegs. Politische Erinnerungen. Freiburg i.B. 2015. S.97:

Am Konferenztisch hatten sich Szenen mit Gefühls- und Wutausbrüchen ereignet, die an Dramatik alles
übertrafen, was die deutschen Politiker und Diplomaten auf internationalen Konferenzen mit westlichen
Mächten je erlebt hatten. Chruschtschow redete Adenauer in der Erregung manchmal mit "Du, Konrad" an,
drohte mit den Fäusten, Adenauer drohte zurück. Chruschtschow schrie, Adenauer beleidige das sowjeti-
sche Volk, wenn er behaupte, auch sowjetische Soldaten in Deutschland hätten schreckliche Dinge getan.
Adenauer wehrte sich entschieden gegen den Vorwurf, er sei ein Kriegstreiber, der Hitlers Politik
gegen die Sowjetunion wiederaufnehmen wolle. Wenn sich die Gelegenheit geboten hätte, beteuerte
Adenauer, hätte er Hitler mit eigenen Händen erwürgt.


1. Einzelsprache: Deutsch

1.1 Mittel für Negation

Negation durch Partikel: nie, niemals, keineswegs, nirgendwo
Negation durch Affixe: un-, de-, a-, ab-, an-,-los
Negation durch Verben: verlieren, vergessen, absagen, widerstehen, leugnen
Negation durch Nomina: Blödsinn, Abwesenheit, Ablehnung, Leere, Verlust
Negation durch Floskeln/Sprichwörter: "da hast du falsch gedacht", "Das kannst du dir abschminken", "Ist das dein Ernst?"
Negation durch Gesten: Kopfschütteln, Abwinken, Augen verdrehen, wegwerfende Handbewegung, "Scheibenwischer", einen Vogel zeigen
Doppelte Negation: "niemand nicht", veraltet oder lyrische Sprache für "wirklich niemand"

1.2 Mann/Frau

Die Erwartungen an Dialogpartner können nach Geschlecht sehr unterschiedlich sein. Wird mit dieser Möglichkeit nicht gerechnet, kann es sein, dass der Dialog scheitert, u.U. auch die Beziehung. Es folgen erste Andeutungen, die aber - von anderen - weiter präzisiert und entfaltet werden können/sollten:

Mann: Hört er von einer Dialogpartnerin lange
Darlegungen von Problemen und Schwierigkeiten, fühlt er
sich aufgerufen, nach Wegen für Lösungen zu suchen.
Er wird sich einarbeiten und sukzessive versuchen - so
weit es ihm möglich ist - Vorschläge zur Problembehebung
zu machen. - Auf Dauer  kann/wird es so sein, dass sich
der Mann nicht nur herausgefordert, sondern auch
angestrengt, vielleicht auch überfordert fühlt. An dieser
Stelle verliert er die Lust am Dialog, die
Kommunikationsbeziehung ist bedroht.
Frau: Viel stärker verarbeitet sie Probleme und
Schwierigkeiten dadurch, dass sie sie formuliert, für
sich selbst oder einem Partner gegenüber. 
Mit der Formulierung ist nicht automatisch die
Bitte um Lösungen verbunden, höchstens die 
Bitte, gehört zu werden. All die ausgebreiteten
Inhalte sind somit nicht wirklich für den 
Dialogpartner bestimmt. Gelöst und bearbeitet werden
sie weitgehend von der Frau. Für sie würde häufig
genügen eine phatische Reaktion (Bestätigung,
dass man zugehört hatte) und vielleicht eine
mitfühlende Wertung ("armes Schwein" :-)  ) zu
erhalten.

1.3 Ökumene/Papstbesuch

Vom Papstbesuch (Herbst 2011) u.a. in Erfurt, wo Martin Luther im Kloster gewesen war, erhofften sich viele ein substanzielles Signal ökumenischer Annäherung. Darauf Benedikt xvi.:

"Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht
etwas, was wir ausdenken und aushandeln."
      "Glaube" materialistisch verstanden als "Produkt". Dieses
      Verständnis wird - natürlich - zurückgewiesen. Bei uns
      gehört diese Geistesfunktion den Modalitäten an: 
      vgl.  4.081  Modalitäten – »Register« EPISTEMOLOGIE,
      und bezeichnet ein Ahnen, Vertrauen, Überzeugt-Sein, das
      in der Tat nicht einfach "gemacht", "errechnet" oder
      "herbeigezwungen"  werden kann.
Vielmehr komme es darauf an, gemeinsam im Glauben zu wachsen,
so der Papst.
      Laut 4.0614 Prädikation – Akzent: Verbindung der beiden Bedeutungen  könnte man sagen: 
      "Glauben" kann zwar einer Veränderung unterliegen. Sie
      ist aber nicht willentlich-aktiv herbeigeführt (initiativ),
      sondern ein Veränderungs-Prozess (fientisch), nicht
      so sehr eine Tat, eher ein unverfügbares Geschenk. 
"Nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben
wächst Einheit."
      Bestätigung unserer Gedanken.

Die Wirkung einer solchen Aussage besagt aber: Ich will darüber nicht reden, auf keinen Fall wird sich unsere Position ändern = NI. Woran lässt sich diese Deutung sprachlich festmachen?

- "Glaube" und "katholische(s) Praxis/Kirchenverständnis" werden
  gleichgesetzt. "Glaube" als seelischer Prozess im einzelnen
  Menschen ist etwas völlig anderes als das, was die römische
  Kurie zur kirchlichen Praxis und Lebensführung vorschreibt.
  - Diese Unterscheidung wird nicht gemacht, folglich muss die
  Papstaussage für die real anwesenden Protestanten als schallende
  Ohrfeige bewertet werden, eingehüllt in viel diplomatische
  Freundlichkeit.
- Selbstverständlich "machen" die Kirchen, gerade auch die
  katholische, sehr viel, in Form von Gemeindearbeit, Riten/Liturgie,
  Unterweisung, soziale Dienste. Ebenso selbstverständlich ist es, 
  dass in diesen Bereichen Veränderungen "gemacht" werden können -
  das ist längst schon so durch die Jahrhunderte hindurch. Keine
  Kirche heute präsentiert sich so wie die Urgemeinde vor 2000
  Jahren. Folglich ist es taktisches Nebelwerfen, wenn der Papst
  veränderndes Tun für unmöglich erklärt. 
  Außerdem leugnet er seine absolutistische Machtfülle.
  Alles kirchliches Menschenwerk hat die Funktion dem "Glauben der
  Menschen" zu dienen, ist aber nicht identisch mit ihm.
- Aber von "den Menschen" war nicht gesprochen worden. Nur vom
  "Glauben". Diese menschenferne geistige Größe ist somit verstanden
  als ideologisches Gesamtsystem, als katholisches natürlich, an 
  dem nicht gerüttelt werden kann. Ein solches ist aber immer
  "gemacht". Es ist eine vollkommene Verdrehung, davon ein "Wachsen"
  auszusagen. Es geht nämlich in diesem Verständnis nicht um 
  individuelle seelische Prozesse, sondern um intellektuelle
  Konstruktionen. Hier wäre also genügend Spielraum für aktives
  Eingreifen.

Aber "Seine Heiligkeit" blockt ab: NI

2. Einzelsprache: Englisch

2.1 Mittel für Negation

Negation durch Partikel: no, not, never, nary, neither
Negation durch Affixe: deactivated, disabled, unknown, useless
Negation durch Verben: fail, cease, cancel, do not (don't), relinquish, abandon, renounce
Negation durch Nomina: loss, absence, denial
Negation durch Floskeln/Sprichwörter: "wait your turn!", "gone wrong", My sympathies
Negation durch Gesten: sich abwenden, Kopf schütteln, talk to the hand
Doppelte Negation: "ain't no", "can't ... no", "don't ... no"
Doppelte Negation: I haven't seen nothing - Ich habe überhaupt nichts gesehen
Doppelte Negation: I don't feel nothing - Ich fühle gar nichts

3. Einzelsprache: Französisch

3.1 Mittel für Negation

Negation durch Partikel:non,jamais,ne pas,pas,ne,aucun,personne.
Negation durch Verben:oublier,perdre,arrêter,renoncer,abandonner,ignorer,nier.
Negation durch Nomina:la folie,l´abandon,le vide, l´insuffisance.
Negation durch Floskeln/Sprichwörter:t´es fou ou quoi?,t´es sérieux là?,oublie,arrête,ignore le,abandonne.
Negation durch Gesten:Kopfschütteln, Abwinken, Augen verdrehen,Augenbrauen hochziehen,Mund aufreisen.
Negation duch Päfix :....(savantageuse), a....(anormal),in....(incompréhensible).
Doppelte Negation:ne ... pas, ne ...aucun,personne ...ne,in(ne pas),ni l'un ni l'autre.
Beispiele für doppelte Negation:Il n’a fait aucun effort,ne pas faire,Personne n’est venu,Son attitude est incompréhensible (= elle ne peut pas être comprise).

4. Einzelsprache: Arabisch

4.1 Mittel für Negation

Negation durch Partikel: لا – لم – لما – لن – ما – ليس
Negation durch Verben: ضاع : verloren - نفى : negiert
Negation durch Nomina: مستحيل : unmöglich
Negation durch Floskeln/Sprichwörter: "الوصول الى القمر اسهل : Der Mond zu erreichen ist einfacher "
Negation durch Gesten: Kopfschütteln, komische Geräusche machen, Mund verziehen
Doppelte Negation: "لا يمكن ان لا: unmöglich, dass er nicht - لا اريد ان لا : Ich will nicht, dass ich nicht"

5. Einzelsprache: Schwäbisch

5.1 Generalstreik gegen Hitler

Do isch neana nonz gwäa als wia do - doppelte Negation ("nirgendwo nichts"), um bezogen auf den 31.1.1933 mit großem Nachdruck die Enttäuschung zum Ausdruck zu bringen, dass lediglich in dem Dorf an der Schwäbischen Alb/südlich von Tübingen 900 Menschen gegen die Regierungsübernahme durch Hitler demonstriert haben, im restlichen Deutschland folgte niemand dem Aufruf zum Generalstreik (durch die KPD). - Die Mössinger können darauf im Nachhinein stolz sein (sind es aber nur zum Teil - die "KPD" dient(e) als Vorwand, es doch lieber mit Hitler zu versuchen ...). Die einfachen Handwerker jedoch waren hellsichtig.

5.1.1 Doppelte Negation und Nachtrag zu Generalstreik / Pink Floyd

Kolumne "Schwäbisch auf Anfrage" vom 31.10.2014 / H. Petershagen (SWP)

"...Die doppelte Verneinung ("Nirgends nichts") ist zwar nicht
deutsch, aber im Schwäbischen sagt man neana nix,
neana neamer, neana koiner, do hot neamer nix g'sait" usw.
Haben wir die doppelte Verneinung von den Spaniern
gelernt oder die Spanier von uns?"
Zuächst muss erklärt werden, was neana und neamer heißt.
Neamer ist eine der schwäbischen Formen von niemand
und neana bedeutet nirgends. Als nienen findet man
es auch im Grimm'schen Wörterbuch. Es geht zurück auf das
mittelhochdeutsche niene. Also ist
neana nix = nirgends nichts, neana neamer = nirgends niemand
und neana koiner = nirgends keiner. Und "do hot neamer nix
g'sait" heißt "da hat niemand nichts gesagt".
Nun zur Hauptfrage der doppelten Verneinung: Die gilt nach
den gängigen Regeln als Bejahung: wenn niemand nichts sagt,
hat nach den Gesetzen der Logik jeder etwas gesagt. Aber so
ist das nicht gemeint, wenn der Schwabe feststellt, es häbe
neaner nix g'sait. Das soll vielmehr bedeuten, dass
keiner das Maul aufgemacht hat.
Damit sind die Schwaben aber keineswegs alleine. Wenn etwa
Manfred Mann singt "You'll not seen nothing like the Mighty
Quinn", meint er, es gebe niemanden, der dem gewaltigen
(Eskimo) Quinn gleiche, obwohl die wörtliche Übersetzung
lautet:
"Ihr werdet nicht nichts sehen wie den gewaltigen Quinn."
Oder wenn Pink Floyd singen "We don't need no education"
sagen sie "Wir brauchen nicht keine Bildung", meinen aber,
dass sie keinen Schuldrill benötigen. 
Bei den Italienern und den Spaniern ist die doppelte Verneinung
in bestimmten Fällen Pflicht, etwa im Fall von "non ha
detto niente" respektive "no ha dicho nada",
was wörtlich übersetzt heißt "(er) nicht hat gesagt nichts".
Man kann diese doppelte Verneinung als Verstärkung der negativen
Aussage betrachten. Die wurde in mehreren Sprachen nötig, 
als die ursprüngliche Verneinungspartikel an Schwindsucht litt.
Wurde beispielsweise im Althochdeutschen nur mit ni
verneint: "ni bim sioh" = ich bin nicht krank,
so wurde im Mittelhochdeutschen auch "ich enbin niht
siech" verdoppelt. Das betonte ni war zu einer unbetonten
Vorsilbe en- verkümmert, die einer Verstärkung durch niht
bedurfte.
Damals entstanden dann auch Doppelverneinungen wie nieman niht.
Die haben sich später aus dem Neuhochdeutschen zurückge-
zogen, wozu im 19. Jahrhundert die Schulmeister wesentlich
beigetragen haben in ihrem Bemühen, die Sprache logischer zu
gestalten. Doch in den Mundarten hat sich die doppelte Verneinung
gehalten.

5.2 Negation per Sprichwort

Aus H. Petershagen SWP 9.3.13:

"Wenn die Eltern eine kindliche Anfrage, z.B. zu einem Kinobesuch
... auf die lange Bank schieben wollten, so war des Öfteren zu
hören: 'Jo, vielleicht am Bemberlesdag, wenn d'Eula bocket,
das hieß dann soviel wie 'gar nie (oder noch später)'!"  ...
   Tatsächlich sagt der elterliche Spruch zweimal dasselbe. Er
ist einer von unzähligen, die einen Termin nennen, der nie
kommt. Eine der bekanntesten Versionen ist lateinisch und lautet
ad  Kalendas Graecas - an den griechischen Kalenden. Die
Kalenden waren ein Datum im römischen Kalender, das der
griechische Kalender aber nicht kannte. Dieser Termin war ein
Widerspruch in sich - es gab ihn nicht. ...
   [Eulen, laut Lexikon:] Das Lexikon meldet aus Königsberg
das gleichbedeutende Wenn de Uhl ehr Orsch Knoppes kreggt!
(Wenn der Arsch der Eule Knospen kriegt).  Es gibt sehr viele
Nimmertags-Metaphern aus dem Tierreich, etwa
wenn die Böcke lammen (Lämmer kriegen) oder
wenn die Katzen Ganseier legen usw.
   [St. Nimmerleinstag] ...Die Schwaben haben noch weitere
Namen für den Nimmertag entwickelt - nota bene ohne Sankt-:
den Bemberlesdag, Memmerlesdag, Memmemmerlesdag, Jämmerlesdag, 
Hämmerlesdag, Emmerlingsdag oder Guckelesdag, in dem wohl
der Kuckuck steckt.
   An diesen Bezeichnungen fällt auf, dass Hämmerle - genauer
gesagt Meister Hämmerle - ein Name des Teufels ist - was auch
für den Kuckuck zutrifft. Ist der Tag, den es nicht gibt, der 
Tag des Teufels?
   Der Teufel, dessen Namen man lieber nicht aussprach, könnte
auch in den anderen Bezeichnungen stecken. So könnte der
Hämmerlesdag vorsichtshalber zum Memmerlestag oder
Jämmerlestag oder Emmerlingstag verfremdet worden sein.
Zieht man in Betracht, dass bembere "klopfen" bedeutet -
man denke an das berühmte 'Kommando bemberle ' - und etwa
dasselbe ist wie hämmerle, wäre der Bembemperle eine sogar
doppelt abgesicherte Verfremdung des Teufelsnamens. 
Der Beweis dafür folgt am Bembemperlestag."

6. Literarische Beispiele

6.1 "Reicher Mann - armer Lazarus"

Der Text des Gleichnisses ist abgedruckt in: 4.11311 Übertragener Sprachgebrauch - operationalisiert/32. Der Dialog im Gleichnis ist bildhaft ein eindrucksvolles Zeugnis für eine vollkommen verschiedene Ausgangsbasis ("Höllenfeuer, Abraham [im Himmel]") der Gesprächspartner, so dass man sich gegenseitig nichts zu sagen hat. Die Bitten des Lazarus werden von Abraham spektakulär abgeschmettert.